Heute war mein großer Tag! Nach dem üblichen Frühstück ging’s los zum Newski Prospekt (der Magistrale/ Hauptstraße St. Petersburgs), der mein Referatsthema war. Doch durfte Catalina den Tag mit einem Referat zum Alexandra-Theater beginnen, denn schließlich ist sie unsere
Rossi-Expertin. Natürlich gingen wir dann die Rossi-Straße hinab und machten einen kurzem Spaziergang entlang der Fontanka, um an meinem ersten Referatsthema zu beginnen, der Anitschkowbrücke mit ihren bronzenen Reiterbändigern. Auch wenn der nette Dozent noch einige Ergänzungen hatte, hatte ich ja immer noch das Argument, dass meine externe Festplatte mit meinem Referat untergegangen war.
Weiter ging’s und scheinbar war der Dozent genauso vorbereitet wie ich, sodass er nur wenig Gesprächsbedarf an den zahlreichen Objekten am Newski Prospekt zeigte. Erstaunlicherweise waren wir schon relativ bald an der Kasan-Kathedrale angekommen, die zwar am Newski liegt, aber von jemand anderem referiert wurde. So hatte ich eine kleine Pause zum Durchatmen und trinken, denn bei dem Geschreie, das nötig war, um den Straßenlärm zu überschallen, war mein Hals ausgetrocknet.
Die überaus eindrucksvolle Kathedrale wurde selbstverständlich vollständig umgangen und auch hier traf ich ein nettes Kätzchen, ganz schwarz, in der Sonne sitzend und wie gewohnt Streicheleinheiten nicht abgeneigt, was mir das Hinterherlaufen, um die Gruppe einzuholen, alle mal wert war. :)

Aber nur rumgehen reicht dem Kunsthistoriker nicht! Also ging’s auch hinein, wo wir dann die Innenansicht der Kuppel zeichnen durften, um sie später mit der Kuppel der Isaakskathedrale zu vergleichen, was wir meines Wissens nicht getan haben. Dabei hätte ein Foto doch auch gereicht...
Nach der Kasan-Kathedrale war ich wieder dran, doch auch jetzt hatte sich die Diskussionsbereitschaft des Dozenten nicht gesteigert, sodass wir relativ schnell an meinem letzten Referatspunkt angekommen waren. Welch eine Erleichterung.
Danach hatten wir offiziell 1,5h Pause, die wir zum Hunger stillen nutzten. Anna, Catalina und ich haben es dann auch geschafft, zu spät zu kommen und unsere Gruppe zu verpassen, aber glücklicherweise war diese nur im Innenhof des Stroganow-Palastes, unserem nächsten Programmpunkt, den wir ebenfalls von innen besichtigten.
Man durfte im Stroganow-Palast nicht fotografieren, was dadurch gesichert wurde, dass alte Frauen einen so böse angeguckt haben, dass man befürchtete in die Hölle zu kommen, wenn man nur ein Mal den Auslöseknopf drückt. Aber als dumme Touristen getarnt, konnten wir das ein oder andere Foto doch noch machen.
Auf dem Weg zur Isaakskathedrale ist dann was richtig Blödes passiert. Da man als Gruppe kaum vermeiden kann, als Touristen erkannt zu werden, waren wir ein ideales Opfer für Taschendiebe. So kam es dann auch, dass mehrere Taschen von Studenten geöffnet wurden und auch der ein oder andere Taschendieb bereits seine Hand drin hatte, aber noch rechtzeitig davon abgehalten werden konnte, etwas zu stehlen. So viel Glück hatten unsere beiden Seniorenstudenten nicht. Einem wurde die Kamera gestohlen und die arme Frau Adler wurde ihr Geldbeutel mit sehr viel Geld entwendet. Der Dozent, der selbst fast bestohlen wurde, hatte gar nicht mitbekommen, dass ein Teil der Gruppe stehen geblieben war und ist weitergeeilt. Schließlich sind wir dann zurück und haben die Polizei verständigt, was natürlich Zeit kostete und unseren Dozenten nicht wirklich erfreute. Nach einigem Warten, wurde beschlossen, mit dem größten Teil der Gruppe schon zur Isaakskathedrale zu gehen. So wurden die Seniorenstudenten mit einer russischsprachigen Studentin und ihrer Freundin aus Moskau zurückgelassen.
An der Isaakskathedrale sind wir natürlich um die gesamte Kirche herumgelaufen und haben dann einen Blick in ihr Inneres geworfen. Eine unglaubliche Pracht erwartete uns, die selbst in Zahlen deutlich wurde, da diese Kathedrale mehr kostete als der gesamte Winterpalast. Trotz Verbot (bzw. Aufpreis, den wir nicht bezahlt haben) wurde fotografiert und noch ein Buchschnäpchen gemacht. Draußen haben wir uns auf die Stufen der Kathedrale gesetzt und die Sonne genossen, während die anderen Matröschkas gekauft haben.
Die arme Marina durfte dann ein Referat zu dem überaus tristen Gebäude der ehemaligen Deutschen Botschaft referieren. Doch dann ging’s zum Marinskij, DEM Theater schlechthin. Wir haben uns tatsächlich Karten für das Ballett „Giselle“ gekauft, für „nur“ 1.500,- Rubel (ca. 42,- €)! Freitag ist es so weit! Dann wird sich schick gemacht und ab in eins der führenden Theater im russischen Ballett... Nur schade, dass wir zum „Nussknacker“ nicht mehr hier sind... Aber ein Grund mehr, wieder zu kommen!
Doch was wären wir für Kunsthistoriker, wenn wir danach (gegen 18.30h) schon unser Programm beenden? Es war doch noch eine Synagoge im maurischen Stil in der Nähe, die im Kontrast zu den sonstigen Gebäuden stand und aufgrund ihres Standortes die Situation der Juden in St. Petersburg verdeutlichte, die auch hier nicht so gut war.
Erschöpft ging es dann Richtung Hotel. Doch leider konnten wir uns nicht direkt ins Bett schmeißen, da wir ja noch Lebensmittel einkaufen wollten. Das kleine Geschäft ohne Selbstbedienung in der Nähe war einfach zu voll und so entschieden wir, ein neues Geschäft auszuprobieren, was ein voller Erfolg war. Zum Einen konnte man dort einfach durch die Reihen gehen und selbst wählen, zum Anderen war das Angebot auch wesentlich reicher. So kauften wir Obst, Säfte, Pistazien, Tee und viel anderen leckeren Kram! Hab für Mama auch eine ihrer russischen Lieblingssüssigkeiten besorgt.
Im Hotel wurd dann noch ein Tee gemacht, genascht und mit Marina und Sarah getratscht bevor es dann ins Bett ging.