Dienstag, 22. April 2008

St. Petersburg - ein Fazit

Nun bin ich bereits die dritte Woche zurück in Deutschland und noch immer habe ich St. Petersburg stets im Hinterkopf. Es ist total anders als Deutschland. Ich hatte zum Beispiel den Eindruck, dass der russische Staat seine Bürger nicht so "erzieht", wie der Deutsche die seinen. Besonders auffallend war dies für mich im Straßenverkehr. Doch es funktioniert trotzdem, auch wenn man zunächst nicht das Gefühl hat, dass es eine Ordnung gibt. Aber wenn es die nicht gäbe, dann wäre z.B. der Schnee nicht so fix entfernt worden. (Ehrlich gesagt glaube ich kaum, dass Bonn eine solche Schneemasse bewältigen könnte, es klappt ja schon nicht mit Regen...) Von außen betrachtet scheint auch, dass Russland seinen Einwohnern zutraut, über die Straße zu gehen ohne überfahren zu werden, auch wenn's grad mal nicht grün ist. Dies ist vor allem praktisch, wenn keine Fußgänger die Linksabbieger blockieren, weil sie schon vorher über die Straße gegangen sind. Außerdem gibt es auch viel weniger Straßenschilder, was für die anfängliche Orientierung etwas störend ist, aber im Grunde genommen gar nicht so schlimm...

Ich muss zugeben, dass ich vor allem in den ersten Tagen sehr gerne zurück gefahren wäre. Vermutlich war das auch dadurch bedingt, dass ich zwar die meisten kunsthistorisch wertvollen Dinge gesehen hatte, aber für meinen Geschmack nicht genug Zeit hatte, um die Stadt selbst kennenzulernen, was ich sehr schade fand.

Außerdem waren die Leute wirklich super nett. Wir hatten öfter Situationen, in denen uns mit Händen und Füßen geholfen wurde, obwohl ich eigentlich Russisch kann.

St. Petersburg hat mich auf jeden Fall überzeugt, da es für mich eine Mischung aus meinen russischen Wurzeln und meiner europäischen Lebensweise verkörpert. Es hat mich dazu gebracht, wieder an meinem Russisch zu arbeiten, damit ich fließend sprechen kann, wenn ich zurückkehre in dieses Venedig Russlands - und wiederkehren werde ich auf jeden Fall...

Montag, 21. April 2008

05.04.2008 - home sweet home

Trotz des recht hohen Alkoholspiegels haben wir es tatsächlich geschafft morgens um 7.00h aufzustehen (bzw. aus dem Bett zu kriechen) und unsere restlichen Dinge in unsere Taschen zu stopfen. Die Koffer wurden huntergehievt und dann wurd noch schnell das letzte Mal gefrühstückt. (Und nun hab ich es auch gewagt und ganz einfach meine Essensmarke nicht abgegeben *muhaha*)

Wie schon gesagt, mussten wir früher zum Flughafen
, weil später unsere Straße aufgrund des Fackellaufs gesperrt wurde... So haben wir noch viel Zeit gehabt, bevor wir überhaupt einchecken konnten. Aber dann kam irgendwann der Schock: 24,6 kg - 4,6 kg zu viel Gewicht in meinem Koffer... Die nette Dame lächelte, ich lächelte zurück, sie wünschte mir einen guten Flug und weg war ich :)

Irgendwann ging's dann doch ins Flugzeug und es hieß "Da Swedanije, St. Petersburg!" :)
Aus dem sonnigen Russland flogen wir in das verregnete Rheinland, wo mich meine lieben Eltern schon mit Blumen und freudigem Winken erwarteten...

Dienstag, 15. April 2008

04.04.2008 – russische Talente

Irgendwann musste er ja kommen - der letzte ganze Tag dieser Exkursion… An diesem Tag standen fast ausschließlich die russischen Künstler im Vordergrund, wobei Künstler diesmal weiter gefasst werden muss.

Nach dem Frühstück ging’s los Richtung Russisches Museum, einem Bau von Rossi. Ach, da hat sich die Catalina vielleicht gefreut. ;) Auch wenn wir den anderen hinterher eilen mussten, konnten wir das Puschkin-Denkmal vor der Hauptfassade intensiver betrachten. Vom einen Michaelsschloss ging’s zum nächsten und zwar dem Michaelsschloss, das auch Ingenieurschloss genannt wird, meinem Referatsthema aus dem Seminar.

Vermutlich konnte ich bei meinen Kommilitonen mit meinem kläglichen Wissen punkten, denn sie alle schienen nicht mehr allzu aufnahmefähig gewesen zu sein und haben zustimmend gelächelt.

Zurück ging’s ins Russische Museum, was eigentlich auch mindestens zwei Tage verdient hätte, da es sich auf jeden Fall lohnt, sich die dort vorhandene Kunst intensiver zu betrachten. Wir hatten nur einige Stunden. Zunächst waren die monumentalen Werke an der Reihe, die wir teilweise bereits im Seminar besprochen hatten. Diese Bilder waren riesig! Hatte gedacht, dass im Seminar einfach bei der Angabe der Ausmaße ein Komma abhanden gekommen ist, aber nein, die sind wirklich SO groß. Geschätzt so ca. 4 x 6 m oder so… Unglaubliche Wirkung! Auch wenn ich zugeben muss, dass mich ein etwas kleineres Bild mehr beeindruckt hat, als der monumentale Untergang Pompejis, dabei war auf dem bestimmten Bild nur Wasser abgebildet, aber WIE! Man spürte regelrecht die Luftfeuchtigkeit und konnte diese Urgewalt des Meeres mehr als nachvollziehen… Dieser Ajvasovskij kann Wasser malen, wie niemand anderes, den ich kenne… Mein aufrichtigster Respekt…

Nach einer notwendigen Pause wurde untere Anderem die Entwicklung der russischen Portraitmalerei erschlossen und dann folgte der russische Vorzeigekünstler Ilja Repin. Einige der Bilder konnte man bereits in Bonn („Russlands Seele“) und Düsseldorf („Bonjour Russland“) bewundern, wobei in Bonn vorwiegend Bilder der Tretjakow Galerie (Moskau) ausgestellt waren. Um es mal weniger kunsthistorisch zu sagen: „Der hatte es voll drauf!“. Dabei muss ich zugeben, dass mich nicht alle seine Bilder ansprechen, doch seine Hand ist eine besondere, keine Frage.

Hier einige Highlights aus meiner Sicht:

Leider schwand die Aufmerksamkeit exponentiell, was nicht an der Kunst selbst, sondern an der Fülle dieser in den letzten Tagen lag. Nach dem letzten Referat bin ich dann auch mit einigen anderen aus dem Museum raus, auch wenn ich sehr gern noch Wrubel und Chagall gesehen hätte. (Ja, Chagall war ein Russe, kein Franzose…)

Nach einigen letzten Einkäufen, mussten wir uns dann auch für unseren letzten Abend aufbrezeln, schließlich sollte es ins Ballett gehen :)

Es folgten also die anderen russischen Künstler, das Russische Staatsballett… Ach ja, sie haben ihren Ruf voll und ganz verdient!!! Giselle war einfach wunderbar. Sie schwebten zu dieser herrlichen Musik über die Bühne und vollführten Verrenkungen, die ich mir im Traum nicht zutrauen würde und das alles mit unglaublich viel Gefühl… Eine Aufführung die auf jeden Fall nachwirken wird, wozu auch die Atmosphäre des Marinski-Theaters beitrug.

Doch ein letzter Abend endet nicht nach dem Ballett, so wurde die dem Hotel am nächsten liegende Kneipe aufgesucht und ein letztes Mal angestoßen! Ich habe sogar meinen ersten und einzigen Wodka getrunken! Wir wurden danach noch von einem etwas seltsam wirkenden Kerl eingeladen sodass Catalina, Sarah und ich am liebstem noch tanzen gegangen wären, doch die anderen haben uns abhalten können.

Da es mit dem Packen nicht mehr so klappte, wie man es gern gehabt hätte, schmiss man sich das letzte Mal in dieses Bett, schließlich kam der Bus eine Stunde früher als geplant… (Das Olympische Feuer kam doch nach St. Petersburg, so musste der Bus bis zu einem recht frühen Zeitpunkt aus unserer Straße verschwinden…)


Montag, 14. April 2008

03.04.2008 – blau machen

Heute sind Anna und ich im Hotel geblieben. Da wir beide gestern Abend Fieber hatten, haben wir beschlossen, dass es wohl sinnvoller wäre, den Ausflug nach Pawlowsk ausfallen zu lassen, um wenigstens Morgen Michaelsschloss (worüber ich referieren „darf“), russisches Museum und das Ballett nicht zu verpassen...

Haben diese Gelegenheit genutzt, erst spät frühstücken zu gehen und den halben Tag im Bett zu verbringen. Was nach den letzten Tagen regelrechter Luxus war!

Gegen Nachmittag ging es uns etwas besser und Hunger und Unternehmenslust trieben uns raus auf den Newski Prospekt. Herrlich mal nicht wirklich Tourist zu sein... Naja, das Touristendasein konnten wir selbstverständlich nicht ablegen, aber es ist trotzdem etwas anderes ohne Gruppe und Kamera durch die Gegend zu laufen. Einfach die Stadt auf einen wirken zu lassen, Fassaden Fassaden sein lassen, mal das Panorama genießen und nicht analysieren. In dem ein oder anderen Laden konnte ich sogar Geld lassen und habe die gut bewährte Tradition, ein Oberteil auf Reisen zu kaufen, trotz der hohen Klamottenpreise fortsetzen können :)

In einem niedlichen Souvenirladen konnte ich dann auch niedliche Mitbringsel besorgen und mir endlich mal hübsche "Perlen"ohrringe besorgen (man braucht ja auch Alltags-Perlenohrringe, echte Perlen brauchen schließlich einen anständigen Anlass). Dann waren wir noch in aller Ruhe etwas essen und dann durfte ich ins Paradies. Dieses heißt "Dom Knigi" (deutsch: "Haus des Buches")... *schwärm* Auch wenn ich nicht wirklich russische Literatur brauche, weil ich (hoffentlich in ferner Zukunft) Mamas umfangreiche Sammlung erben werde, konnte ich es mir nicht verkneifen, einige Bücher zu kaufen, sieben um genau zu sein... Aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass drei davon für meine Mutter waren... (Naja, ich würde auch dazu stehen, wenn sie für mich gewesen wären!)

Anna war natürlich ins Hotel gegangen und mich die knapp 2 Stunden allein mit den Büchern gelassen. Ich bin dann direkt zu unserem Abschiedsessen in ein sehr feines Restaurant geschlendert.

Auch wenn ich meine Bestellung relativ spät bekam, war's trotzdem ein wunderbarer Abend! Entspannt und wieder einigermaßen regeneriert ging's dann Richtung Hotel.

(Fotos hab ich an diesem herrlichen Tag nicht gemacht! - Manchmal muss man die Stadt mal mit allen Sinnen erfahren, da stört eine Kamera nur...)

Samstag, 12. April 2008

02.04.2008 – Bernstein, Park und Puschkin

Der heutige Tag war für einen weiteren Tagesausflug vorgesehen. Es sollte nach Zarskoje Selo gehen, wo der Katharinenpalast steht. Doch Busfahren wäre ja zu entspannend (und teurer), so fuhren wir mit überfüllter Metro zunächst zu der Metrohaltestelle an der Moskowskaja und dann mit einem Minibus zum Katharinenpalast.

Die arme Anna hatte ein erneutes Referat zu halten, was seinen Höhepunkt im Innern des Palastes hatte, wo unser werter Dozent sie ständig mies angemacht hat, sodass allen aufgefallen war, dass er wohl (warum auch immer) etwas gegen sie habe. Trotz des sehr eindrucksvollen Interieurs, habe ich leider ziemlich früh daran gedacht, dass ich mich gern hinsetzten möchte... Im Katharinenpalast waren zwar alle Zimmer sehr prächtig, doch eines überstieg jeden Luxus, das legendäre Bernsteinzimmer. Leider ist es nicht mehr das Original, da die Deutschen es im zweiten Weltkrieg verschleppt haben und verloren, nachdem sie den Palast in grausigstem Zustand hinterlassen haben. (Kein Wunder, dass die Deutschen unbeliebt sind...)

Nach einer Pause ging es dann in den Park... Fünf Stunden lang! (Gut, dass wir mit Gummistiefeln ausgestattet waren.) Ja, dieser Park hat viele kleine, tolle Bauwerklein, doch mussten wir uns wirklich fast jedes angucken? – Ja :(


Irgendwann hätte ich sogar auf die Puschkin-Statue, die ich so gern gesehen hätte, verzichtet, so erschöpft war ich! Aber ich musste nicht auf ihn verzichten! :) Denn glücklicherweise lang dieses Monument auf unserem Rückweg. Unser Dozent hielt es nicht für notwendig, dort Halt zu machen, doch das war mir und drei anderen egal! Nach einigem Suchen, hatten wir die Gruppe auch bei der Hauptfront des Alexanderpalastes, der Residenz der letzten Zarenfamilie, wiedergefunden.

Dann ging die Suche nach der Haltestelle los. Nach manch einem Umweg, hatten wir sie endlich gefunden und konnten nach einigem Warten, dann auch in zwei Gruppen gen Moskowskaja fahren.

An der Metrostation hatten die anderen auf uns gewartet. Dann konnten Passanten und andere folgende Situation beobachten: 19 junge Frauen gaben einem älteren Mann Geld, und nicht gerade wenig... Hätten wir die richtigen Klamotten an, hätte man uns für eine Gruppe von Prostituierten und ihren Zuhälter halten können. Zudem ist es ja geradezu eine Einladung für Taschendiebe... Aber unser Dozent weiß schon, was er macht, hoffentlich...

Anna, Catalina und ich haben uns dann fix von der Gruppe verabschiedet, Richtung Hotel. Im Stammcafé gab’s noch eine Pizza und ein lustiges Beisammensein.

Nach der Dusche konnte ich jedoch nicht mehr. Hatte schon gestern gemerkt, dass mir der Kaffee nicht mehr schmeckt und nun kam das Fieber... Bei der ständigen Erschöpfung war das auch nur eine Frage der Zeit...

01.04.2008 – Kunst, Bier und Kätzchen

Erstaunlicherweise durften wir heute eine ganze Stunde länger schlafen! :)

Treffpunkt war erst um 10h an der Alexandersäule vor dem Winterpalast, denn es sollte ein letztes Mal in die Ermitage gehen. Wir waren zu spät... Konnten uns aber noch an der Fassadenbeschreibung des Geberalstab-Komplexes beteiligen, der in diesem Ausmaß von nichts anderem übertroffen wird.

In der Ermitage ging es dann sofort los. Einem Nachtrag zu den Italienern sollten die Deutschen folgen, die wir nicht finden konnten. Es stellte sich dann heraus, dass der gesamte Deutsche Bereich momentan restauriert wird. Das war’s auch schon zu den Deutschen. Es folgten die Franzosen in voller Pracht.

Dann eine Pause, in der wir ein letztes Mahl in der Ermitage einnahmen. Diese Pause nutzte ich auch, um ein weiteres Buch zu erwerben. Erstaunlicherweise konnte der Verkäufer tatsächlich an meinem Russisch erkennen, dass ich ursprünglich aus Kasachstan bin, da ich trotz meines starken deutschen Akzentes, noch einen „almatinskij“ Akzent habe. :)

Unser werter Dozent hatte sich tatsächlich auch aufgerafft, die neuzeitliche Sammlung der Ermitage anzusehen, zu der zahlreiche kubistische Picassos, einige Monets, Matisses und van Goghs gehörten und viele andere namhafte Künstler.

Danach hatten wir offiziell Feierabend. Zunächst habe ich noch zwei Poster in der Ermitage gekauft und dann begann die große Suche nach der Post.

Dank eines netten Herren in Uniform erfuhren wir, wo wir fragen konnten und wussten dann, dass in der Nähe der Kasankathedrale eine Poststelle ist. Auf dem Weg dorthin wurden dann Souvenirs eingekauft und in der Post Briefmarken geleckt... (Die russischen Briefmarken schmecken genauso ekelig, wie die deutschen...)

Catalina und ich verspürten einen starken Durst nach dieser Aktion und so kam uns der Irish Pub auf dem Heimweg sehr gelegen. Bei russischem Bier und Chips (eigentlich wollten wir Erdnüsse) sprachen wir dann über Diktatoren, als uns der Duft eines Knoblauchgerichtes entgegenwehte... Leider hatten die älteren Herrschaften hinter uns nichts mit Knoblauch und so verließen wir mit dem Ziel, etwas knoblauchhaltiges zu uns zu nehmen, den Pub.

In unserem Stammcafé neben dem Hotel gab’s dann Bier und mit Knoblauchbutter geröstetes Brot. Doch da wir immer noch fit waren, haben wir uns Anna im Hotel geschnappt und sind in die nächstbeste Kneipe. Leider waren wir so ziemlich die einzigen Gäste dort. Trotzdem waren die Angestellten sehr nett und vor allem das kleine Kätzchen, das auf wackeligen Pfötchen in den Raum lief, gab dem Tag einen angenehmen Abschluss.

Doch nicht alle Exkursionsteilnehmer hatten einen schönen Abend. Durch Zufall haben welche den Dieb vom Vortag wiedererkannt. Ein weiterer Zufall wollte es, dass die Polizei gerade in der Nähe war und so wurde er festgenommen und einige Exkursionsteilnehmer durften den Abend auf der Polizeiwache verbringen, ohne dass es wirklich etwas gebracht hat, da Aussage gegen Aussage stand und diejenige, die genau gesehen hat, dass dieser Typ die Kamera in der Hand hatte, nicht dabei war... Auch wenn sich der ein oder andere über die russische Polizei aufgeregt hat, so muss ich sagen, dass ich so etwas auch von deutschen Polizisten erwarten würde...

31.03.2008 – Mein Referat, Diebstahl und Ballett

Heute war mein großer Tag! Nach dem üblichen Frühstück ging’s los zum Newski Prospekt (der Magistrale/ Hauptstraße St. Petersburgs), der mein Referatsthema war. Doch durfte Catalina den Tag mit einem Referat zum Alexandra-Theater beginnen, denn schließlich ist sie unsere Rossi-Expertin. Natürlich gingen wir dann die Rossi-Straße hinab und machten einen kurzem Spaziergang entlang der Fontanka, um an meinem ersten Referatsthema zu beginnen, der Anitschkowbrücke mit ihren bronzenen Reiterbändigern. Auch wenn der nette Dozent noch einige Ergänzungen hatte, hatte ich ja immer noch das Argument, dass meine externe Festplatte mit meinem Referat untergegangen war.

Weiter ging’s und scheinbar war der Dozent genauso vorbereitet wie ich, sodass er nur wenig Gesprächsbedarf an den zahlreichen Objekten am Newski Prospekt zeigte. Erstaunlicherweise waren wir schon relativ bald an der Kasan-Kathedrale angekommen, die zwar am Newski liegt, aber von jemand anderem referiert wurde. So hatte ich eine kleine Pause zum Durchatmen und trinken, denn bei dem Geschreie, das nötig war, um den Straßenlärm zu überschallen, war mein Hals ausgetrocknet.


Die überaus eindrucksvolle Kathedrale wurde selbstverständlich vollständig umgangen und auch hier traf ich ein nettes Kätzchen, ganz schwarz, in der Sonne sitzend und wie gewohnt Streicheleinheiten nicht abgeneigt, was mir das Hinterherlaufen, um die Gruppe einzuholen, alle mal wert war. :)

Aber nur rumgehen reicht dem Kunsthistoriker nicht! Also ging’s auch hinein, wo wir dann die Innenansicht der Kuppel zeichnen durften, um sie später mit der Kuppel der Isaakskathedrale zu vergleichen, was wir meines Wissens nicht getan haben. Dabei hätte ein Foto doch auch gereicht...

Nach der Kasan-Kathedrale war ich wieder dran, doch auch jetzt hatte sich die Diskussionsbereitschaft des Dozenten nicht gesteigert, sodass wir relativ schnell an meinem letzten Referatspunkt angekommen waren. Welch eine Erleichterung.

Danach hatten wir offiziell 1,5h Pause, die wir zum Hunger stillen nutzten. Anna, Catalina und ich haben es dann auch geschafft, zu spät zu kommen und unsere Gruppe zu verpassen, aber glücklicherweise war diese nur im Innenhof des Stroganow-Palastes, unserem nächsten Programmpunkt, den wir ebenfalls von innen besichtigten.

Man durfte im Stroganow-Palast nicht fotografieren, was dadurch gesichert wurde, dass alte Frauen einen so böse angeguckt haben, dass man befürchtete in die Hölle zu kommen, wenn man nur ein Mal den Auslöseknopf drückt. Aber als dumme Touristen getarnt, konnten wir das ein oder andere Foto doch noch machen.

Auf dem Weg zur Isaakskathedrale ist dann was richtig Blödes passiert. Da man als Gruppe kaum vermeiden kann, als Touristen erkannt zu werden, waren wir ein ideales Opfer für Taschendiebe. So kam es dann auch, dass mehrere Taschen von Studenten geöffnet wurden und auch der ein oder andere Taschendieb bereits seine Hand drin hatte, aber noch rechtzeitig davon abgehalten werden konnte, etwas zu stehlen. So viel Glück hatten unsere beiden Seniorenstudenten nicht. Einem wurde die Kamera gestohlen und die arme Frau Adler wurde ihr Geldbeutel mit sehr viel Geld entwendet. Der Dozent, der selbst fast bestohlen wurde, hatte gar nicht mitbekommen, dass ein Teil der Gruppe stehen geblieben war und ist weitergeeilt. Schließlich sind wir dann zurück und haben die Polizei verständigt, was natürlich Zeit kostete und unseren Dozenten nicht wirklich erfreute. Nach einigem Warten, wurde beschlossen, mit dem größten Teil der Gruppe schon zur Isaakskathedrale zu gehen. So wurden die Seniorenstudenten mit einer russischsprachigen Studentin und ihrer Freundin aus Moskau zurückgelassen.

An der Isaakskathedrale sind wir natürlich um die gesamte Kirche herumgelaufen und haben dann einen Blick in ihr Inneres geworfen. Eine unglaubliche Pracht erwartete uns, die selbst in Zahlen deutlich wurde, da diese Kathedrale mehr kostete als der gesamte Winterpalast. Trotz Verbot (bzw. Aufpreis, den wir nicht bezahlt haben) wurde fotografiert und noch ein Buchschnäpchen gemacht. Draußen haben wir uns auf die Stufen der Kathedrale gesetzt und die Sonne genossen, während die anderen Matröschkas gekauft haben.

Die arme Marina durfte dann ein Referat zu dem überaus tristen Gebäude der ehemaligen Deutschen Botschaft referieren. Doch dann ging’s zum Marinskij, DEM Theater schlechthin. Wir haben uns tatsächlich Karten für das Ballett „Giselle“ gekauft, für „nur“ 1.500,- Rubel (ca. 42,- €)! Freitag ist es so weit! Dann wird sich schick gemacht und ab in eins der führenden Theater im russischen Ballett... Nur schade, dass wir zum „Nussknacker“ nicht mehr hier sind... Aber ein Grund mehr, wieder zu kommen!

Doch was wären wir für Kunsthistoriker, wenn wir danach (gegen 18.30h) schon unser Programm beenden? Es war doch noch eine Synagoge im maurischen Stil in der Nähe, die im Kontrast zu den sonstigen Gebäuden stand und aufgrund ihres Standortes die Situation der Juden in St. Petersburg verdeutlichte, die auch hier nicht so gut war.

Erschöpft ging es dann Richtung Hotel. Doch leider konnten wir uns nicht direkt ins Bett schmeißen, da wir ja noch Lebensmittel einkaufen wollten. Das kleine Geschäft ohne Selbstbedienung in der Nähe war einfach zu voll und so entschieden wir, ein neues Geschäft auszuprobieren, was ein voller Erfolg war. Zum Einen konnte man dort einfach durch die Reihen gehen und selbst wählen, zum Anderen war das Angebot auch wesentlich reicher. So kauften wir Obst, Säfte, Pistazien, Tee und viel anderen leckeren Kram! Hab für Mama auch eine ihrer russischen Lieblingssüssigkeiten besorgt.

Im Hotel wurd dann noch ein Tee gemacht, genascht und mit Marina und Sarah getratscht bevor es dann ins Bett ging.

Mittwoch, 9. April 2008

30.03.2008 – „Am siebenten Tage sollst Du ruhen“...

...aber für Kunsthistoriker ist Sonntag auch ein Arbeitstag. Doch da dieser Tag ja eigentlich der Kirche gewidmet ist, ging’s nach dem Frühstück in die zwei großen Klöster von St. Petersburg.

Da diese außerhalb sind, haben wir wieder die Metro genommen, um unser erstes Ziel, das Alexander-Newski-Kloster zu erreichen. Nach der üblichen Fassaden- und Baubeschreibung, durften wir einen Blick in die Kirche des Klosters werfen, in der zu diesem Zeitpunkt die sonntägliche Gottesdienst lief.

Als Christ in Deutschland ist man ja eher volle Kirchen nur zu Weihnachten gewohnt, deswegen war es ein unglaubliches Erlebnis dieses volle und geschäftige Gotteshaus zu sehen. Die russische orthodoxe Kirche hat einen vollkommen anderen Typus von Gottesdienst. Sonntags läuft über mehrere Stunden die Messe, bei der man aber nicht auf unbequemen Holzbänken hockt. (Russ. orth. Kirchen haben nicht mal Bänke, weil es als mangelnde Ehrung Gottes gilt, wenn man im Gotteshaus sitzt!) Die Gläubigen gehen von Ikone zu Ikone und beten davor und das voller Leidenschaft. Teilweise küssen sie sogar die Ikonen. Im Hintergrund liest der Priester Segen und andere Gebete, begleitet von einem Männerchor mit tiefen Stimmen. Das Alles ist in Kerzenlicht getaucht.

Auch wenn ich selbst trotz meiner russ. orth. Taufe keinen Bezug mehr dazu habe, wurde (nicht nur bei mir) großer Respekt vor dieser religiösen Kultur geweckt. Anstatt auf irgendwelche Innenausstattungen zu achten, habe ich mich mitreißen lassen und Kerzen angezündet. Ich zünde eigentlich immer Kerzen in großen Kathedralen an. Diesmal hatte mich auch noch meine Mutter darum gebeten und eine nette alte Dame hat mir die Prozedur dazu erklärt. Eingetaucht in diesen Eindruck habe ich sofort für meine Mutter eine Ikone als Geschenk gekauft.

Auf dem Weg aus der Klosteranlage gingen wir an den dazugehörigen Friedhöfen vorbei, die unter anderem die Ruhestätte von berühmten Komponisten und Schriftstellern ist. Als Freund alter Friedhöfe konnte ich mir das ja kaum entgehen lassen und schloss mich der kleinen Gruppe an, denen der Preis diese Besichtigung wert war. Dostojewski liegt dort, Tschaikowski, Bruni und viele andere mehr. Im zweiten Trakt, den wir leider nur kurz besichtigten, ist das Grab eines von mir sehr geschätzten Mathematikers, nämlich Leonhard Eulers. (Hätte am liebsten den Kurator des Arithmeums angerufen, um ihm davon zu erzählen, weil ich so begeistert war.) Beim Weg hinaus, saß eine liebe Katze auf dem Friedhof, die ich selbstverständlich erst mal gestreichelt habe, was sie problemlos zugelassen hat und geschnurrt hat sie auch noch! :)

Der Weg zum Smolny-Kloster war voller Industriekultur und verfallenen Bauten, aber auch das ist St. Petersburg... Zum Glück war ich nicht die einzige, die das Bedürfnis hatte, diese Impression fotographisch festzuhalten.

Das Smolny-Kloster konnten wir leider nur von außen besichtigen, da dort ein Konzert lief und da unser Dozent schon mit der ersten Gruppe gegangen war und wir es nicht für notwendig hielten, die Fassade zu beschreiben, war diese Besichtigung recht kurz...

Auf dem Rückweg zum Hotel gingen wir am Taurischen Palais vorbei! (Ja, es erfreut mich Referatsthemen im Original zu sehen...)

Nach einem Snack ging’s mit der Metro zum Newski. Anna und ich standen wohl ziemlich hilflos an dem Metroplan, denn eine nette Dame hat uns richtig gut beraten und auch als wir unten ankamen und noch nicht so recht wussten, in welche Metro wir einsteigen sollten, hat sie uns total lieb in die richtige Richtung gewunken. Beim Gostiny Dwor (einer Riesen-Kaufpassage) wurden wir dann erst mal von Touri-Helfern angesprochen, als ich entsetzt ein Gebäude entdeckte, das Teil meines Referats ist... Eine von denen konnte sogar Deutsch und hat Köln ständig ins falsche Bundesland gepackt.

Doch eigentlich wollten wir erst mal ins Hotel duschen, um dann noch brav an unseren Referaten zu arbeiten. Im Hotel wurde uns von anderen Exkursionsteilnehmerinnen erzählt, dass das Wasser in der Dusche eine sehr unpassende Farbe für Duschwasser angenommen hatte und zudem kalt war... Auf gut Glück habe ich trotzdem mal geschaut und nach 15 Min wurde es wieder klar, sodass ich eine angenehme heiße Dusche nehmen konnte.

Anna hatte sich in der Zwischenzeit hingelegt und ich nutze die Gelegenheit, in Ruhe mein Referat zu vervollständigen, welches ich dann pünktlich zu ihrem Erwachen fertig gestellt hatte.

Da ich ja immer noch keine Mitbringsel hatte, wollt ich noch etwas einkaufen. Leider war mein Trip mehr als enttäuschend. In der Nähe des Hotels gab es nur Läden für Klamotten und Elektrowaren und die waren auch noch so richtig teuer. So gesellte ich mich kurzerhand zu Anna, in ein süßes Kellercafé, in dem es köstliche heiße Himbeere gab, mit frischen Himbeeren drin. Dort hab ich dann in aller Ruhe meine Karten fertig geschrieben und konnte guten Gewissens ins Bett fallen.

Dienstag, 8. April 2008

29.03.2008 – Papas Geburtstag, Katze im Schnee und Wasserspiele ohne Wasser

Als pflichtbewusste Tochter habe ich heute als Erstes um 7.15h meinen Vater angerufen und ihm zu seinem Geburtstag gratuliert. Dann erst kam die Frage auf, wie spät es denn wohl in Deutschland sei. – Die Antwort: 5.15h... Ich habe ein zweites Mal angerufen und mich für den frühen Anruf entschuldigt. (Meine Eltern waren glücklicherweise eh schon wach.)

Nach dem Frühstück ging’s dann wie immer um 8.45h los, diesmal gen Peterhof und tatsächlich auch nicht zu Fuß, sondern mit dem Bus.

Die Sonne schien und ich habe versucht viele Fotos von der Umgebung außerhalb zu machen, denn diese ist ein Spiegel für die Verwahrlosung Russlands... Armes Russland... Es tut mir in der Seele weh, dass dieses wundervolle Land sein Potential nicht nutzt...

Aber zurück zur Busfahrt. Unser hochenthusiastischer Dozent dachte sich einfach mal, dass wenn man schon in der Nähe ist, ein Abstecher nach Oranienbaum nicht schaden könne und so legten wir einen unerwarteten Zwischenstop ein und als ob ich es geahnt hätte, war ich natürlich mit dem Protokoll dran, aber glücklicherweise nur in Oranienbaum.

Mein Glück bestand darin, dass diese Anlage zur Zeit restauriert wird und deswegen nur ein einziges Gebäude nicht von Planen verdeckt war. Unglücklicherweise mussten wir trotzdem einen Berg hoch, im Schnee und gestreut war auch noch nicht. Da das Hauptschloss in fade Folie gepackt war, sind wir hoch und einfach mal durch ein Tor gegangen, ohne recht zu wissen, wo das ganze hinführt. Ein wuscheliger Hund kam hinzu und lenke die volle Aufmerksamkeit auf sich! Leider mussten wir uns von diesem trennen und einen anderen Weg einschlagen, da wir auf die Gefahr im Schnee Rohre, Gräben oder gar Seen zu übersehen von einem netten Parkaufseher hingewiesen wurde. Dieser hat uns dann auch noch gesagt, dass der chinesische Pavillon, unser angestrebtes Ziel, dummerweise auch eingepackt ist, aber der Rutschberg sei wohl von außen bereits restauriert.

So ging’s dann zum Rutschberg, wo ich die erste Bekanntschaft mit einer Petersburger Katze gemacht habe. Ach, die war ja so lieb! Die hat sich riesig gefreut, dass sie gestreichelt wurde und hat unsere Gruppe brav begleitet, selbst als wir das Gebäude am Rutschberg (das meiner Meinung nach Ähnlichkeit mit dem Smolny Kloster hat.) betreten durften, um vom arkadenartigen Umgang die Aussicht zu genießen. Das nette Kätzchen hat sich sogar noch auf das Gruppenfoto geschlichen :)

Doch irgendwann mussten wir weiter zum Peterhof, Peter I Sommerresidenz am finnischen Meerbusen. Mein Protokolldienst war damit beendet! Nach einem kleinen Mahl in einem viel zu stickigen Raum, ging’s dann hinein ins Schloss! Die arme Anna hatte ihr Referat und der werte Herr Professor hat sie nicht wirklich ausreden lassen und auch sonst ständig etwas bemängelt. Er hatte aber auch den ganzen Tag richtig miese Laune.

Den restlichen Tag haben wir damit verbracht durch Schnee und Matsch in der riesigen Parkanlage des Schlosses von Nebengebäude zu Nebengebäude zu laufen.

Unser erstes Ziel war Monplaisir und eigentlich wäre ich dort auch am liebsten geblieben. Dieses kleine Palästchen liegt nämlich direkt am Meer. Es ist zwar nur der finnische Meerbusen, aber es sieht wie Meer aus, es hört sich so an und es ist einfach toll! Diese wunderbare frische Luft, die Aussicht, die Eisschollen und vor allem dieses herrliche Geräuch der Wellen... Das Referat war plötzlich uninteressant und alle genossen dieses unglaubliche Ambiente, nur unser Dozent hatte es eilig, aber schließlich ist die Anlage auch monströs und der Bus war nur bis 19h gemietet, man konnte ihn also schon etwas verstehen und wenigstens sind wir dann auch am Meer entlang zu dem Schlösschen Marly gegangen.

Wenn jemand von Euch schon selbst da war, oder wenigstens die Bilder von Peterhof kennt, wird sich bestimmt die markanten Springbrunnenanlagen erinnern. Diejenigen, die aufmerksam gelesen haben, wissen auch, dass das markante dieser Exkursion der Schnee war (und die Fassaden). Nicht nur die Physiker unter Euch werden bemerkt haben, dass Schnee und Wasser in Springbrunnen nicht harmonieren. Auch die Verwaltung in Peterhof weiß das. Dementsprechend bat sich uns der Anblick von leeren Bassins und mit grünen Holzkisten abgedeckten Figuren... Ein Grund mehr zu wärmeren Jahreszeiten wieder zu kommen... Aber das Meer hat doch einige Enttäuschung nehmen können.

Abends angekommen waren wir alle total platt. Marina kam in unser Zimmer wegen irgendeiner Sache und man begann zu quatschen. Der Abend endete darin, dass wir uns ein Bierchen geteilt haben und bis Mitternacht oder so über jeden möglichen Scheiß geredet haben. Dummerweise wurde uns in dieser Nacht ja eine Stunde genommen, sodass wir erschrocken feststellen mussten, dass nach der neuen Zeit ja schon fast 1h war und wir ja schon um 8h frühstücken wollten...

Also ging’s dann auch für mich ins Bett, nachdem ich noch einige Karten geschrieben habe und noch schnell unter die Dusche gehüpft bin...

Montag, 7. April 2008

28.03.2008 – Gummistiefel, ahoi!

Ich erspare Euch den Kommentar zum Frühstück, denn wie gesagt, abwechslungsreich ist etwas anderes.

Heute hat die Sonne geschienen und da wir eh zum Marmorpalast laufen mussten und unser Dozent davon überzeugt ist, dass wir gerne kilometerweit durch Schnee und Marsch bei Eiseskälte laufen, haben wir natürlich nicht den direkten Weg dort hingenommen.

Nach einigen Metern entlang der Fontanka hatten wir den Newski überquert und gingen (nachdem auch einige vorher falsch abgebogen waren...) an der Assagnatenbank und der Bankbrücke vorbei und konnten schon von Weitem die Zwiebelkuppeln der Heilig-Blut-Kathedrale (auch: Erlöserkirche und/ oder Auferstehungskathedrale). Für diejenigen, die selbst nach dem zehnten klassizistischen Gebäude nicht merken, dass St. Petersburg eher europäisch als russisch ist, ist diese Kirche sozusagen eine Bestätigung, dass man in Russland ist.

Ähnlich einer Kirche in Moskau ist diese Kathedrale im byzantinisch-russischen Stil gebaut, mit fünf Zwiebeltürmen, die jeweils unterschiedlich dekoriert sind und alles sehr farbenfroh gehalten. Nachdem selbst der Dozent erneut betont hat, dass diese Architektur nicht wirklich typisch für Russland ist... – Was macht da wohl die deutsche Reisegruppe? – Ein Gruppenfoto natürlich... Argh, wie mich das aufregt! Furchtbar...

Weiter ging’s an Stallungen für die Pferde des Zaren vorbei, Richtung Marsfeld. Man konnte schon von Weitem das Michaelsschloss erkennen und ich ja sowieso, schließlich war das u.a. mein Referat im Seminar. Das Marsfeld war herrlich weiß von wundervollem Schnee bedeckt, der in der Sonne glitzerte.

Zu unserer Linken tauchte irgendwann die Rückseite des russischen Museums auf und vor uns lang unser Ziel, der Marmorpalast. Da wir ja sooo gerne Fassaden beschreiben, standen wir erst mal 20 Minuten in Schnee und Matsche und führten eine rege Diskussion. Glücklicherweise hatte ich ja meine Gummistiefel, die mir das Rumstampfen versüßt haben.

Da wir uns bei diesem Seminar nicht mit moderner Kunst beschäftigen dürfen, wollte der Professor auch nicht in das Museum, welches mittlerweile im Marmorpalast ist, doch da dieses Schloss diese tolle Treppe hat, mussten wir hinein und wurden recht schnell verscheucht, als wir in voller Montur recht weit oben an der Treppe angelangt waren, wo wir ohne zu bezahlen ja eigentlich nicht hin durften...

Nach dem Rauswurf wurde ein neues altes Ziel angesteuert, mein zweites Zuhause, die Ermitage.

Diesmal war es sogar noch besser, da ich ja jetzt wusste, dass ich fotografieren durfte und das selbstverständlich auch tat. Nach den frühen Italienern kamen wir auch mit der Gruppe zu meinem persönlichen Highlight, den zwei da Vincis...

Es folgten weitere Italiener und nach einer stärkenden Pause im Ermitage-Café, waren die Niederländer dran. Herrliche Rembrands hat die Ermitage...

So spannend das auch alles war und ist, so anstrengend ist es auch die ganze Zeit zu stehen und umso schneller schwindet das Aufmerksamkeitsvermögen... Den ganzen Tag nur Kunst und Fassaden ist eben richtig grenzwertig, erst recht, wenn das Wetter noch einen draufsetzt. Denn auch wenn Gummistiefel wasserdicht sind, so sind sie nicht wirklich dafür geeignet, sie von 8.40h bis 19.00h zu tragen.

Aber das war ja nicht genug... Leider wartete da immer noch so ein Referat auf mich... Deswegen haben Anna und ich uns „hochmotiviert“ mit anderen Schuhen in unser Café nebenan gesetzt und brav an unseren Referaten gearbeitet... Ich bin nicht fertig geworden, aber bis Montag ist ja noch Zeit, doch jetzt brauche ich meinen verdienten Schlaf!

Sonntag, 6. April 2008

27.03.2008 – Marsch durch den Schnee

Heute Nacht wurde ich angerufen, um 1.43h. Das war etwas unerwartet, doch meine Zimmermitbewohnerinnen sind glücklicherweise nicht wach geworden, da ich schnell weggedrückt habe.

Dann hab ich erst mal meine geplante Duschzeit weitergeschlafen, bin aber noch rechtzeitig zum Frühstück gekommen, auch wenn dieses nicht von Vielseitigkeit strotzt, so ist der Kaffee auch am zweiten Morgen immer noch besser als das aromatisierte Wasser bei der Berlin ZaPF ;)

Nach der Enttäuschung, dass der Schuhladen erst um 10h öffnet, habe ich mich der Gruppe angeschlossen und wir sind zum ersten Mal hier Metro gefahren. Ein interessantes Unterfangen, bei dem man eigentlich nicht fotografieren darf... Wir haben es trotzdem gemacht, denn im Gegensatz zu unseren U-Bahnen, geht’s hier tief nach unten und dann sind die Bahnen so voll wie in Deutschland kurz vor Weihnachten, nachdem der vorangegangene Zug ausgefallen ist... Dafür kommen sie jedoch relativ zügig nach einander.

Die Metro brachte uns in die Nähe der Peter Pauls Festung, wo wir dann glatt feststellen konnten, dass der Wetterbericht nicht ganz stimmte. Die Sonne schien, aber das hielt den Schnee nicht davon ab, in großen Flocken herunterzurieseln.

Tapfer haben wir uns durch den Schnee zur Festung gekämpft und uns in die gleichnamige Kathedrale verdrückt. Alles war besser als ein Schneesturm, der einen schwarzen Mantel in einen weißen verwandeln konnte. Auch der prächtig dekorierte Innenraum der außen so schlicht gestalteten Kirche. (Dass die Außenfassade schlicht ist, wussten wir natürlich als gut dressierte Kunsthistoriker.) Besonders und eindrucksvoll waren die Ikonostase aufgrund der Ausmaße und die Gräber der Zaren.

Die Peter-und-Pauls-Kathedrale ist nämlich die Grabstätte der russischen Zaren. Angefangen mit Peter dem Großen, dem Gründer St. Petersburgs bis zu der letzten Zarenfamilie, den Romanovs. Bis auf die Letzteren, die in einer Seitenkapelle beigesetzt sind, sind alle Zaren (und Ehefrauen) in rechteckigen Steinsarkophagen in der gesamten Kathedrale verteilt. Wichtige Personen, wie Peter I, Katharina II und Alexander I in der Nähe des Altars, andere in den Seitenflügeln. Bis auf zwei bestehen alle Sarkophage aus weißem Carraramarmor und tragen als Schmuck nur ein goldenes Kreuz. Unglaublich eindrucksvoll, erst recht, wenn man bedenkt, was diese Personen zu Lebzeiten bewirkt haben.


Nach diesem Erlebnis ging es wieder hinaus, der Sturm hatte sich gelegt und nach der Bestätigung der Schlichtheit der Fassade, ging es raus an die Newa. WELCH EIN PANORAMA! Ein Dank an diejenigen, die in dieser Stadt dem Newa-Panorama besondere Aufmerksamkeit entgegenbrachten. Denn auch wenn wir um die halbe Peter-Pauls-Festung durch den Schnee marschiert sind, so hat es sich dafür auf jeden Fall gelohnt.

Total ausgemergelt, kam die „freudige“ Nachricht, dass wir vor der Pause noch zur Börse gehen mussten. Leider war meine Aufmerksamkeit mittlerweile darauf konzentriert, dass ich Hunger hatte...

Glücklicherweise fand sich ein Restaurant, was zwar etwas teurer war, aber dafür warm. Ich hatte Schaschlik und köstlichen (französischen) Weißwein und dabei haben wir geplant, am Wochenende mal abends wegzugehen und an unserem letzten Freitag ins Ballett. Mal schauen, was daraus wird.

Nach dem Essen wurden die zwölf Kollegien beschrieben und im Mentschikow-Palast umhergeschlittert in lustigen Slippern.

Durch den Schnee ging’s dann zur Akademie der Künste, in der Fotografieren „stricktly forbidden“ war.

Nach dieser wunderbaren Lehrstätte der Kunst, hab ich mich wieder danach gesehnt, die praktische Seite der Kunst intensiver zu betreiben, als nur über die Werke anderer zu reden... Ich möchte so gerne wieder Malen und Zeichnen und dieses Gebäude steckt voller Inspiration, es schreit regelrecht seine Funktion hinaus... Hätte ich doch nur die Zeit und die Möglichkeit dort zu studieren... Was würde ich nicht darum geben...

Ernüchternd traten wir wieder in den Schnee, um feststellen zu müssen, dass um 18h das Programm noch lange nicht zu Ende ist und dass wir uns noch zum holländischen Viertel bewegen mussten, um den Architekten eines Tores zu erraten...

Total erschöpft und wieder hungrig ging’s am Marinski-Theater und einer hübschen russischen Kirche vorbei Richtung Hotel.

Dann wurden die Tüten von den Socken entfernt und Gummistiefel gekauft! Im Supermarkt gab’s noch lecker Kekse und abends saß man dann bei einer köstlichen Pizza in unserem „Stammcafé“...

Die warme Dusche hat einen umso mehr erschöpft und ich will nur noch ins Bett... Leider gibt’s vorher noch eine schlechte Nachricht: mein Schneeengel wurde überfahren... :( aber diesen Anblick erspare ich Euch lieber... nur so viel: der rechte Flügel ist geblieben, den Rest verdeckt eine Reifenspur... Wo sind die Leute von CSI, wenn man sie braucht?

26.03.2008 – Kunst und Matsch

Nach einer Nacht voller zufälliger Erwachungen, ging es heute früh unter die Dusche. Was stellt sich der Deutsche denn darunter vor? – Einen Duschkopf mit Schlauch und am besten vielen kräftigen Wasserstrahlen, die auch das letzte bisschen Shampoo aus den Haaren kriegen. Das ist in unserem altertümlichen Hotel etwas anders. Denn die Dusche hier besteht aus einem Rohr, das irgendwann in einem „Gieskannenkopf“ endet und du kannst dich glücklich schätzen, dass der größte Teil der Wasserstrahlen in ungefähr eine Richtung gehen, aber wenigstens ist das stinkende Wasser warm gewesen.

Zum Frühstück gab’s anständigen Kaffee, Brot, Käse und Wurst zum Belegen, Gebäck und Milchreis. Für die kleinen Ansprüche genügend. Und dann ging’s los zum „Ehernen Reiter“...

Leider hat auch RICHTIGER Schnee den Nachteil, dass er irgendwann seinen Aggregatszustand in Schneematsch ändert... Deswegen war nur der Beginn des halbstündigen Marsches angenehm, da an diesem Morgen der Wind einem keinen Schnee ins Gesicht gepeitscht hat. Doch bei der ersten Straßenüberquerung sah man schon, was es heißt, wenn Schneemassen schmelzen. An den mit Schnee zugeschütteten Bürgersteigen hatten sich über Nacht riesige hinterhältige tiefe Pfützen gebildet, die einem vortäuschten, sie seien ein Teil der Straße... Bis zum Ehernen Reiter haben meine jetzt noch inniger geliebten Docks dicht gehalten, trotz zahlreicher Untergänge.

Der Eherne Reiter hat Puschkin’s gleichnamigen Gedicht alle Ehre gemacht und auch das selbstskizzierte Senat und Synode Gebäude war beeindruckend. (Ja, wir mussten tatsächlich draußen im Schnee Gebäudefassaden skizzieren – Kunsthistoriker haben es alles andere als leicht.) Auf dem Weg zur Admiralität zeigten die Docks dann doch erste Schwächeerscheinungen und bald war es mit den trockenen Socken vorbei.

Die Admiralität war das erste Gebäude hier, das ich unfertig restauriert gesehen habe. Von weitem erblickt man eine wunderbare Fassade, doch ziemlich bald erkennt man die abblätternde Farbe und den verfallenen Zustand... Irgendwie traurig. An der nächsten Ecke konnte man jedoch die bereits aufgearbeitete Schauseite erblicken. Zwar hat der ach so charakteristische Turm mit der Nadelspitze einen unglaublichen Verfall dargeboten, doch man sah, dass daran gearbeitet wurde...


Nach einem weiteren Weg durch viele Pfützen ging die Temperatur der Füße exponentiell nach unten. Doch Rettung nahte in Form eines der weltgrößten Kunstmuseen, der Eremitage. Im Grunde genommen sind wir durch die Eremitage gehetzt, dabei waren wir von ca. 11h bis 16h als Gruppe darin unterwegs und bis 18h noch in Einzelgruppen. Trotzdem haben wir nicht alles gesehen. (Ich muss aber auch zugeben, dass wir nach dem Pflichtprogramm erst mal dermaßen fertig waren, dass wir uns mind. für eine Stunde in ein Museumscafé gesetzt haben.)

Die Eremitage ist toll und das sage ich nicht nur als kulturgeile Kunsthistorikerin! Zum Einen ist sie RIESIG! Es sind drei mehrstöckige Gebäude... Und die Sammlung ist unglaublich vielfältig, von Antiken Skulpturen aus Ägypten, Griechenland und dem römischen Reich, über russische Ikonenmalerei zur italienischen Renaissancemalerei und diversen flämischen, französischen und spanischen Künstlern. Das ganze ist dann in ein Schloss gepackt. In ein richtiges herrliches Schloss im „russischen Barock“, mit einem anschließenden klassizistischen Museumsgebäude, dessen Hauptportikus von Atlaten gehalten wird. Dieser Eindruck der dort präsentierten Monumentalität ist kaum in Worte zu fassen. Würde mir jemand das als Residenz anbieten, würde ich trotz des vielen Blattgoldes sofort in den Winterpalast einziehen.

Das schönste Erlebnis hätte ich fast vergessen. Nach dem Pflichtprogramm musste ich meinem eigenen Pflichtprogramm nachgehen. Da ich noch nie in Italien war und auch nicht in Paris oder Barcelona, habe ich leider (bis heute!) noch kein Bild eines meiner absoluten Lieblingskünstler im Original sehen können. Nach einigen falschen Abzweigungen stand ich dann endlich vor einem ECHTEN Leonardo da Vinci! Ja, es ist genauso atemberaubend, wie ich es mir immer vorgestellt habe! Dieser Mann war ein Genie und das kann man in jedem Pinselstrich deutlich erkennen! Vor den beider Mariendarstellungen mit Kind stand ich dann etwas länger, dann gab’s ein Buch über die Eremitage in Deutsch (für nur 200 Rubel, das sind keine 6 Euro) und leckeren Tee.

Doch leider schließt auch dieses grandiose Museum seine Pforten und unser Dozent hatte die glorreiche Idee, wir könnten ja alle Fassaden des Eremitage-Komplexes beschreiben. Meine Füße haben sich leider viel zu schnell daran erinnert, wie kalt es ihnen war und dass es mittlerweile auch um einiges kälter geworden war, hat sie nur noch darin bestärkt. Irgendwann hat er dann doch aufgegeben und wir konnten gen Newski Prospekt, damit ich allen etwas zu essen auf Russisch bestellen konnte, da sonstige russischsprachige nicht dabei waren.

Mit Pizza gestärkt ging durch das nächtliche St. Petersburg zurück zum Hotel. Welch Anblick ist die Kazankathedrale doch bei Nacht, doch kein Photo vermittelt das anständig.

Nach einem aufwärmenden Tee in dem Café neben dem Hotel, ging’s zurück in unser Zimmer 313 :)

Mit dem Wunsch morgen nach dem Frühstück als erstes Gummistiefel kaufen zu gehen, wird ich mich gleich ins Bett begeben, nachdem ich mein Referat zum Michaelsschloss aufgefrischt habe, denn leider bin ich vermutlich morgen früh dran...

Na dann, spakojnoji notschi :)


Das wichtigste zuletzt: ich habe einen Schneeengel gemacht! :D

Samstag, 5. April 2008

St. Petersburg - 25.03. bis 05.04.2008 - Erster Tag


Wie versprochen folgt ein Reisebericht zu St. Petersburg! Seid nicht erschrocken, denn es ist etwas mehr geworden. Doch um das "feeling" des Bloggens zu erhalten, kriegt Ihr täglich nur den Bericht eines Tages, mit Fotos selbstverständlich :) Dann hoffe ich mal, dass Ihr das auch lest! Das Fazit schon mal im Voraus: ES WAR TOLL und ICH WILL WIEDER HIN!


25.03.2008 – Richtig Winter :)

Nach ca. 3,5h Schlaf ist die kleine Ludmila heute Morgen um 5.45h unter die Dusche gekrochen, um daraufhin noch brav zu Ende zu packen und in freudiger Erwartung auf ihre Eltern zu warten.

Dann ging’s zum Köln Bonner Flughafen und irgendwie wurde ich immer nervöser. Der letzte Flug war schon länger her und der Weg nach Wien war mit Turbulenzen gepflastert. Noch die lieben Eltern gedrückt und ab ging’s durch die Kontrolle und auf den letzten Drücker in den Flieger, mit einem mulmigen Gefühl im Magen. Doch kaum begann der Flieger zu beschleunigen und als die Schwerkraft einen in den Sitz drückte, war wieder die alte Begeisterung für das Fliegen erwacht, die mit herrlichen turbulenzfreien drei Stunden belohnt wurde. Nachdem ich wieder über den Wolken war und diese wunderbare Wolkenstadt sehen konnte, die ab und an einen Blick auf die verschneite Landschaft unter uns preisgab, wusste ich wieder, weswegen es den Spruch gibt „Nur Fliegen ist schöner!“ :)

Um 15.30h Ortszeit (12.30h in Deutschland) landeten wir in St. Peterburg, dem Venedig Russlands.

Doch wenn Ihr jetzt denkt, dass es über Ostern im Rheinland so winterlich geworden ist, dann wisst Ihr nicht, was richtiger Winter ist. Schon aus dem Flugzeugfenster konnte man den vom Wind gepeitschten Schnee über die Landebahn wehen sehen und kaum ausgestiegen, wurde einem ziemlich schnell klar, dass ein Winter in Russland nicht mit unseren Winterchen vergleichbar ist.

Doch die kleine Ludmila vermisste schon lange den Schnee und war überglücklich :)

Wenn einem aus der Kindheit Erinnerungen an weiße Schneemassen geblieben sind und man in Deutschland nur Schneehäufchen erlebt, dann ist es fast so, als würde man in seine Kindheit zurückkehren. Hier gibt es RICHTIGEN Schnee! Schnee, der länger als eine halbe Stunde liegen bleibt und die Bürgersteige mit einer 5cm dicken festgetrampelten Schicht verhüllt. Schnee, der alles reiner und weicher erscheinen lässt, der einem Lust auf Schneemann bauen und Schneeengel machen vermittelt. Einfach RICHTIGER Schnee eben!






Das „Hotel“ zu dem wir mit dem Bus gebracht worden sind, gleicht eher einer verfallenden Jugendherberge, doch irgendwie sind die Zimmer altmodisch gemütlich und es sind ja auch nur 11 Nächte.

Durch das Schneegestöber wurde zunächst eine Bank zum Geld wechseln und dann ein Lokal gesucht, in dem es leckere preisgünstige „Bliny“ gab. Nach einer Odyssee auf der Suche nach einem Supermarkt im Schneesturm, kamen wir vollbepackt mit Obst und salzigem Mineralwasser zurück ins Hotel.

Einer meiner tollen Mitbewohnerinnen musste uns schockieren, in dem sie dachte, es gäbe nur kaltes Wasser zum Duschen, doch glücklicherweise konnte dieses Missverständnis zu der Zufriedenheit aller gelöst werden! Das Wasser riecht zwar komisch, aber es gibt es auch in warm!

Auf eine erholsame Nacht und noch mehr RICHTIGEM Schnee morgen! :D