Zum Frühstück gab’s anständigen Kaffee, Brot, Käse und Wurst zum Belegen, Gebäck und Milchreis. Für die kleinen Ansprüche genügend. Und dann ging’s los zum „Ehernen Reiter“...
Leider hat auch RICHTIGER Schnee den Nachteil, dass er irgendwann seinen Aggregatszustand in Schneematsch ändert... Deswegen war nur der Beginn des halbstündigen Marsches angenehm, da an diesem Morgen der Wind einem keinen Schnee ins Gesicht gepeitscht hat. Doch bei der ersten Straßenüberquerung sah man schon, was es heißt, wenn Schneemassen schmelzen. An den mit Schnee zugeschütteten Bürgersteigen hatten sich über Nacht riesige hinterhältige tiefe Pfützen gebildet, die einem vortäuschten, sie seien ein Teil der Straße... Bis zum Ehernen Reiter haben meine jetzt noch inniger geliebten Docks dicht gehalten, trotz zahlreicher Untergänge.
Der Eherne Reiter hat Puschkin’s gleichnamigen Gedicht alle Ehre gemacht und auch das selbstskizzierte Senat und Synode Gebäude war beeindruckend. (Ja, wir mussten tatsächlich draußen im Schnee Gebäudefassaden skizzieren – Kunsthistoriker haben es alles andere als leicht.) Auf dem Weg zur Admiralität zeigten die Docks dann doch erste Schwächeerscheinungen und bald war es mit den trockenen Socken vorbei.
Die Admiralität war das erste Gebäude hier, das ich unfertig restauriert gesehen habe. Von weitem erblickt man eine wunderbare Fassade, doch ziemlich bald erkennt man die abblätternde Farbe und den verfallenen Zustand... Irgendwie traurig. An der nächsten Ecke konnte man jedoch die bereits aufgearbeitete Schauseite erblicken. Zwar hat der ach so charakteristische Turm mit der Nadelspitze einen unglaublichen Verfall dargeboten, doch man sah, dass daran gearbeitet wurde...
Nach einem weiteren Weg durch viele Pfützen ging die Temperatur der Füße exponentiell nach unten. Doch Rettung nahte in Form eines der weltgrößten Kunstmuseen, der Eremitage. Im Grunde genommen sind wir durch die Eremitage gehetzt, dabei waren wir von ca. 11h bis 16h als Gruppe darin unterwegs und bis 18h noch in Einzelgruppen. Trotzdem haben wir nicht alles gesehen. (Ich muss aber auch zugeben, dass wir nach dem Pflichtprogramm erst mal dermaßen fertig waren, dass wir uns mind. für eine Stunde in ein Museumscafé gesetzt haben.)
Die Eremitage ist toll und das sage ich nicht nur als kulturgeile Kunsthistorikerin! Zum Einen ist sie RIESIG! Es sind drei mehrstöckige Gebäude... Und die Sammlung ist unglaublich vielfältig, von Antiken Skulpturen aus Ägypten, Griechenland und dem römischen Reich, über russische Ikonenmalerei zur italienischen Renaissancemalerei und diversen flämischen, französischen und spanischen Künstlern. Das ganze ist dann in ein Schloss gepackt. In ein richtiges herrliches Schloss im „russischen Barock“, mit einem anschließenden klassizistischen Museumsgebäude, dessen Hauptportikus von Atlaten gehalten wird. Dieser Eindruck der dort präsentierten Monumentalität ist kaum in Worte zu fassen. Würde mir jemand das als Residenz anbieten, würde ich trotz des vielen Blattgoldes sofort in den Winterpalast einziehen.
Das schönste Erlebnis hätte ich fast vergessen. Nach dem Pflichtprogramm musste ich meinem eigenen Pflichtprogramm nachgehen. Da ich noch nie in Italien war und auch nicht in Paris oder Barcelona, habe ich leider (bis heute!) noch kein Bild eines meiner absoluten Lieblingskünstler im Original sehen können. Nach einigen falschen Abzweigungen stand ich dann endlich vor einem ECHTEN Leonardo da Vinci! Ja, es ist genauso atemberaubend, wie ich es mir immer vorgestellt habe! Dieser Mann war ein Genie und das kann man in jedem Pinselstrich deutlich erkennen! Vor den beider Mariendarstellungen mit Kind stand ich dann etwas länger, dann gab’s ein Buch über die Eremitage in Deutsch (für nur 200 Rubel, das sind keine 6 Euro) und leckeren Tee.
Doch leider schließt auch dieses grandiose Museum seine Pforten und unser Dozent hatte die glorreiche Idee, wir könnten ja alle Fassaden des Eremitage-Komplexes beschreiben. Meine Füße haben sich leider viel zu schnell daran erinnert, wie kalt es ihnen war und dass es mittlerweile auch um einiges kälter geworden war, hat sie nur noch darin bestärkt. Irgendwann hat er dann doch aufgegeben und wir konnten gen Newski Prospekt, damit ich allen etwas zu essen auf Russisch bestellen konnte, da sonstige russischsprachige nicht dabei waren.
Mit Pizza gestärkt ging durch das nächtliche St. Petersburg zurück zum Hotel. Welch Anblick ist die Kazankathedrale doch bei Nacht, doch kein Photo vermittelt das anständig.
Nach einem aufwärmenden Tee in dem Café neben dem Hotel, ging’s zurück in unser Zimmer 313 :)
Mit dem Wunsch morgen nach dem Frühstück als erstes Gummistiefel kaufen zu gehen, wird ich mich gleich ins Bett begeben, nachdem ich mein Referat zum Michaelsschloss aufgefrischt habe, denn leider bin ich vermutlich morgen früh dran...
Na dann, spakojnoji notschi :)
Das wichtigste zuletzt: ich habe einen Schneeengel gemacht! :D
1 Kommentar:
Nimmst du mich naechstes Mal mit? Bitte, bitte, bitte! Mit einer Russisch sprachigen Kunsthistorikerin und noch dazu wunderbaren Freundin durch die Eremitage zu tigern, klingt einfach nur grossartig!
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