Mittwoch, 9. April 2008

30.03.2008 – „Am siebenten Tage sollst Du ruhen“...

...aber für Kunsthistoriker ist Sonntag auch ein Arbeitstag. Doch da dieser Tag ja eigentlich der Kirche gewidmet ist, ging’s nach dem Frühstück in die zwei großen Klöster von St. Petersburg.

Da diese außerhalb sind, haben wir wieder die Metro genommen, um unser erstes Ziel, das Alexander-Newski-Kloster zu erreichen. Nach der üblichen Fassaden- und Baubeschreibung, durften wir einen Blick in die Kirche des Klosters werfen, in der zu diesem Zeitpunkt die sonntägliche Gottesdienst lief.

Als Christ in Deutschland ist man ja eher volle Kirchen nur zu Weihnachten gewohnt, deswegen war es ein unglaubliches Erlebnis dieses volle und geschäftige Gotteshaus zu sehen. Die russische orthodoxe Kirche hat einen vollkommen anderen Typus von Gottesdienst. Sonntags läuft über mehrere Stunden die Messe, bei der man aber nicht auf unbequemen Holzbänken hockt. (Russ. orth. Kirchen haben nicht mal Bänke, weil es als mangelnde Ehrung Gottes gilt, wenn man im Gotteshaus sitzt!) Die Gläubigen gehen von Ikone zu Ikone und beten davor und das voller Leidenschaft. Teilweise küssen sie sogar die Ikonen. Im Hintergrund liest der Priester Segen und andere Gebete, begleitet von einem Männerchor mit tiefen Stimmen. Das Alles ist in Kerzenlicht getaucht.

Auch wenn ich selbst trotz meiner russ. orth. Taufe keinen Bezug mehr dazu habe, wurde (nicht nur bei mir) großer Respekt vor dieser religiösen Kultur geweckt. Anstatt auf irgendwelche Innenausstattungen zu achten, habe ich mich mitreißen lassen und Kerzen angezündet. Ich zünde eigentlich immer Kerzen in großen Kathedralen an. Diesmal hatte mich auch noch meine Mutter darum gebeten und eine nette alte Dame hat mir die Prozedur dazu erklärt. Eingetaucht in diesen Eindruck habe ich sofort für meine Mutter eine Ikone als Geschenk gekauft.

Auf dem Weg aus der Klosteranlage gingen wir an den dazugehörigen Friedhöfen vorbei, die unter anderem die Ruhestätte von berühmten Komponisten und Schriftstellern ist. Als Freund alter Friedhöfe konnte ich mir das ja kaum entgehen lassen und schloss mich der kleinen Gruppe an, denen der Preis diese Besichtigung wert war. Dostojewski liegt dort, Tschaikowski, Bruni und viele andere mehr. Im zweiten Trakt, den wir leider nur kurz besichtigten, ist das Grab eines von mir sehr geschätzten Mathematikers, nämlich Leonhard Eulers. (Hätte am liebsten den Kurator des Arithmeums angerufen, um ihm davon zu erzählen, weil ich so begeistert war.) Beim Weg hinaus, saß eine liebe Katze auf dem Friedhof, die ich selbstverständlich erst mal gestreichelt habe, was sie problemlos zugelassen hat und geschnurrt hat sie auch noch! :)

Der Weg zum Smolny-Kloster war voller Industriekultur und verfallenen Bauten, aber auch das ist St. Petersburg... Zum Glück war ich nicht die einzige, die das Bedürfnis hatte, diese Impression fotographisch festzuhalten.

Das Smolny-Kloster konnten wir leider nur von außen besichtigen, da dort ein Konzert lief und da unser Dozent schon mit der ersten Gruppe gegangen war und wir es nicht für notwendig hielten, die Fassade zu beschreiben, war diese Besichtigung recht kurz...

Auf dem Rückweg zum Hotel gingen wir am Taurischen Palais vorbei! (Ja, es erfreut mich Referatsthemen im Original zu sehen...)

Nach einem Snack ging’s mit der Metro zum Newski. Anna und ich standen wohl ziemlich hilflos an dem Metroplan, denn eine nette Dame hat uns richtig gut beraten und auch als wir unten ankamen und noch nicht so recht wussten, in welche Metro wir einsteigen sollten, hat sie uns total lieb in die richtige Richtung gewunken. Beim Gostiny Dwor (einer Riesen-Kaufpassage) wurden wir dann erst mal von Touri-Helfern angesprochen, als ich entsetzt ein Gebäude entdeckte, das Teil meines Referats ist... Eine von denen konnte sogar Deutsch und hat Köln ständig ins falsche Bundesland gepackt.

Doch eigentlich wollten wir erst mal ins Hotel duschen, um dann noch brav an unseren Referaten zu arbeiten. Im Hotel wurde uns von anderen Exkursionsteilnehmerinnen erzählt, dass das Wasser in der Dusche eine sehr unpassende Farbe für Duschwasser angenommen hatte und zudem kalt war... Auf gut Glück habe ich trotzdem mal geschaut und nach 15 Min wurde es wieder klar, sodass ich eine angenehme heiße Dusche nehmen konnte.

Anna hatte sich in der Zwischenzeit hingelegt und ich nutze die Gelegenheit, in Ruhe mein Referat zu vervollständigen, welches ich dann pünktlich zu ihrem Erwachen fertig gestellt hatte.

Da ich ja immer noch keine Mitbringsel hatte, wollt ich noch etwas einkaufen. Leider war mein Trip mehr als enttäuschend. In der Nähe des Hotels gab es nur Läden für Klamotten und Elektrowaren und die waren auch noch so richtig teuer. So gesellte ich mich kurzerhand zu Anna, in ein süßes Kellercafé, in dem es köstliche heiße Himbeere gab, mit frischen Himbeeren drin. Dort hab ich dann in aller Ruhe meine Karten fertig geschrieben und konnte guten Gewissens ins Bett fallen.

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