Da wir drei schon eher zu der "Jugend von gestern" gehören, taten wir diesen Hinweis mit einigen Witzchen ab und fuhren mit unserer Lektüre fort.
Ihr mögt Euch vielleicht fragen, was das alles mit dem Titel dieses Posts zu tun hat. Ganz einfach: es soll eine Art Ode an meine Freunde werden und wenn ich es nicht jetzt in Worte fasse, wann dann?
Es ist faszinierend, wie die kleinsten Ereignisse oder Gegenstände Erinnerungen wach rufen können. Etwas wie dämliche Mädchenzeitschriften lesen kann einen daran erinnern, dass man dies schon Jahre zuvor gemacht hat, mit einer bestimmten Person zu der man zwar keinen Kontakt mehr hat, mit der man jedoch jede Erinnerung aus der Schulzeit verbindet.
Es ist faszinierend, wie Zeit tatsächlich Wunden heilt. Mit der Zeit verschwinden die schlechten Erinnerungen und es bleibt nur noch die schöne Zeit im Gedächtnis. Dr. Peper-Besäufnisse, Streiche in der Schule, gemeinsame Theateraufführungen, das wortlose Verständnis und noch viel mehr.
Doch will ich meine anderen Freunde nicht vernachlässigen, weder die alten noch die neu gewonnenen. Denn trotz Entfernung sind mit glücklicherweise noch viele Freunde aus Hamm erhalten und auch meine Physiker haben mir den Fachwechsel nicht allzu übel genommen.
Einer Person gebührt besondere Erwähnung. Obwohl es viele Personen in meinem Leben gibt, die mindestens genauso viel Ehre verdienen, sticht diese eine mit brutaler Ehrlichkeit und unglaublichen Zuhörerqualitäten aus der Reihe. Da Sie vermutlich nicht namentlich genannt werden möchte, nennen wir Sie der Einfachheit halber "meine bessere Hälfte" ;) (ja, ich bin mir im Klaren, dass jetzt fast alle wissen, wer gemeint ist) Sie hasst es, wenn ich Ihr sage, wie wertvoll Sie für mich ist, deswegen lasse ich das einfach mal und belasse es bei dem ersten Satz, der Rest erklärt sich von selbst.
Neben meiner besseren Hälfte haben mich viele tolle Menschen begleitet, seit ich ins Rheinland gezogen bin. Meine liebe Annika, die mich seit dem ersten Tag des Physik-Vorkurses begleitet, die Fachschaften, Physik und Kunstgeschichte, Freunde vom Theater, Kommilitonen, ehemalige und aktuelle, Menschen, die mir über den Weg gelaufen sind und die ich nicht mehr missen möchte.
Es gibt einen Spruch, keine Ahnung von wem, der besagt, dass viele Menschen den Lebensweg kreuzen, dass jedoch nur wenige Spuren hinterlassen.
Danke für Eure Spuren! Danke für die Erinnerungen, die bei bestimmten Ereignissen ganz automatisch in den Sinn kommen, für Bilder, Melodien, Orte, Bücher, Literatur, Gegenstände, Gerüche und Geschmäcker, die mit Euch verbunden sind. Sei es Hesses "Stufen", Schandmauls "Walpurgisnacht", der tolle ICE-Tee, der Hofgarten, Plätze am Rhein und springende Steine, Bad Godesberg, Eis, Schokolade, Sonnenblumen, Spongebob, Gilmore Girls, Corpse Bride, Braindead, ein unbeschriebenes Blatt, Schach, Goreng, Spielplätze, Bahnhöfe, Gummibärchen, der Pilzholz, Rosen...
Die Person, der das Meiste in meiner Aufzählung etwas sagen und vielleicht das ein oder andere Schmunzeln hervorlocken wird, wird diesen Text vermutlich nie zu Gesicht bekommen. Solange diese Person um Ihren Stellenwert bei meinem bisherigen Rheinlandaufenthalt weiß, reicht es mir, denn dieses Kapitel soll endlich abgeschlossen werden. Schließlich hat alles ein Ende und jede Ära geht irgendwann vorbei, auch wenn's weh tut...
Als Abschluss ein Gedicht:
Hermann Hesse
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Doch mit derartigem möchte ich nicht meinen Versuch einer Ode beenden.
Ihr sollt noch wissen, dass Ihr alle ein nicht zu verachtender Teil meines Lebens ward, seid und hoffentlich noch sein werdet! Auf viele weitere Spuren!
Auf bald...